Möglichkeiten kulturgeprägter Stadtentwicklung im ländlichen Raum

 

Zunächst beschrieb Reinhart Richter die fünf Schritte einer Kulturentwicklungsplanung: von der gemeinsamen Betrachtung der Entwicklungstendenzen über eine Stärken- und Schwächenanalyse zu einer „Visionskonferenz“. Dabei begegnete er Freunden des Helmut-Schmidt-Rates, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, mit der Klarstellung „Heutzutage gilt: Wer keine Visionen hat, gehört zum Arzt“ – denn: „Wenn man sich nichts mehr wünschen kann, ist man dazu verurteilt, die Zukunft nur noch als Gegenwartsverlängerung zu betreiben“. Das leuchtete ein, gerade in einer Stadt mit zunehmend älterer Bevölkerung, noch dazu unter strengem Haushaltssicherungskonzept. Habe man sich nach einer solchen „Visionskonferenz“ gemeinsam auf Ziele und Wege verständigt, müssten diese schließlich in einer Offenen Werkstatt zu Maßnahmen und Projekten konkretisiert werden.

Soweit die Theorie. Praktischer wurde es, als es um die Rahmenbedingungen ging, mit denen Tecklenburg keineswegs allein dasteht: Vom demografischen Hintergrund über die Verarmung der öffentlichen Haushalte bis zu Kästchendenken und Resignation wurden alle Hemmnisse angesprochen, die die Menschen vor Ort mutlos machen könnten. Dagegen setzte Reinhart Richter einen flammenden Appell zu mehr Kommunikation und Kooperation: „Wenn alle nur in ihren Kästchen denken, bekommt man nichts zustande. Diejenigen Kommunen aber haben Chancen, in denen es gelingt, eine positive Kommunikationskultur zu entwickeln.“

Wie so etwas möglich ist, beschrieb er am Beispiel der Stadt Havelberg, in der er seit 2010 selbst engagiert ist. Hier habe sich ein Verein kulturinteressierter Bürger mit den Immobilienbesitzern zusammengesetzt und verabredet, alle Leerständemietfrei Künstlern und Kunsthandwerkern zur Verfügung zu stellen, bis sich eine wirtschaftliche Nutzung ergebe. Während jeder Leerstand sogleich die gesamte Umgebung negativ beeinflusse, habe diese Revitalisierung in kleinen Schritten lauter positive Folgen gezeitigt.

Konkret wurde die Diskussion, als es um die Leerstände in Tecklenburg ging: Der Anregung, für die kulturelle Stadtentwicklung strategisch wichtige historische Gebäude durch die städtische Immobilien- und Entwicklungsgesellschaft vom Markt zu nehmen, begegnete Bürgermeister Stefan Streit zunächst mit dem Hinweis, dass das die Satzung gar nicht hergebe; man einigte sich darauf, dass Satzungen bei entsprechendem Willen aller Akteure ja auch veränderbar seien. Es gelte eben, zuversichtlich einen Aufbruch zu wagen: zu mehr jungen Familien in alten Fachwerkhäusern, zu höheren Bettenkapazitäten für Übernachtungsgäste, zu verstärkt mehrtägigen Kulturangeboten auch im Winter, zu mehr Potenzialen für junge Kreative.

Als Bürgermeister Streit den neuen Slogan „Tecklenburg – die Festspielstadt“ vorstellte, bat Reinhart Richter die Tecklenburger darum, „mit dem Begriff noch einmal zu spielen“; man müsse ihn konkret inhaltlich füllen, wenn er ein das ganze Jahr füllendes Alleinstellungsmerkmal beschreiben solle. „Theaterlandschaft Tecklenburg“ sei da vielleicht weiter gefasst und biete ganz andere Möglichkeiten, gerade auch im Hinblick auf engagierte Laientheater. „Wir pflegen hier eine Kulisse, die vermarktet wird; wir müssen aber etwas tun für die Lebensqualität vor Ort“, warf Hendrikje Winter unter dem Applaus der Zuhörer ein und gab damit eine Richtung vor, in der über die weitere Entwicklung der „Theaterstadt Tecklenburg“ nachzudenken sein könnte.

Wirklich lebendig wurde es dann noch einmal, als Wilhelm Kienemann daran erinnerte, dass sich vor 91 Jahren 300 Tecklenburgerinnen und Tecklenburger zu ihrem „Rütlischwur“ für die Tecklenburger Heimatfestspiele auf der Burg getroffen hätten; Reinhart Richter regte daraufhin spontan an, wenn man nun einen bürgerschaftlichen Prozess einleiten wolle, doch vielleicht zum Auftakt öffentlichkeitswirksam diesen Rütlischwur zu wiederholen.

Verständlich, dass es da nach der Veranstaltung noch lange viel zu diskutieren gab – und für das Bürgerbündnis nun eine Menge zu kommunizieren und zu koordinieren. Elisabeth Dörr, die Vorsitzende des Bürgerbündnisses, lud in ihrem Schlusswort Reinhart Richter dazu ein, diesen Prozess doch bitte so engagiert mit zu begleiten, wie er auch den Abend gestaltet habe. Und so verließ man das Kulturhaus in eine fast schon laue Vorfrühlingsnacht – mit einem erfreulich offenen Blick in die Zukunft.

Werner Friedrich, Rheine

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